Download
Praxistipp 31.pdf
Adobe Acrobat Dokument 411.5 KB

Zielorientierung

 

… oder ist der Weg das Ziel?

Standardfrage an junge Bewerbende: “Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Wir wollen jetzt nicht die mehr oder weniger floskelhaften Antworten untersuchen.
Die meisten jungen Menschen wollen erwachsen werden. Obwohl, eigentlich auch wieder nicht. Erwachsene sind in dem Alter nicht unbedingt erstrebenswerte Zukunftsvorbilder.

 

Was statt erwachsen werden gemeint ist, mag da schon eher „ankommen“ sein. Nicht immer weiter Ausbildungen, Prüfungen, Entwicklungen. Irgendwann auch einmal „fertig sein“. Der alte Begriff arriviert sein ist etwas aus der Mode gekommen. Mir fällt auch sofort eine Kurzgeschichte ein „Vor dem Ankommen wird gewarnt“.

 

Nicht nur, dass wir gar nicht genau sagen können, wo wir ankommen wollen. Die wichtigere Frage beschäftigt sich doch mit dem „Und dann?“. Egal wohin ich gehe, egal wo ich auch immer lande, ich nehme mich immer mit. Aber, wer bin ich? Wer will ich sein?

 

Wir, Ahl & Ahl, sind fest davon überzeugt, dass jeder schon längst bei sich ist. Wir können auch gar nicht woanders sein. Schauen Sie sich doch kleine Kinder beim Spielen an.
Und doch entfernen wir uns immer wieder und immer weiter von uns. Durch Vorbilder, denen wir nacheifern und ähnlich sein wollen.
Wer schon im Fitnessstudio war, sieht die nicht nur männlichen Mitglieder, die ständig ihr Äußeres umbauen und verändern und doch nie fertig werden. Die Werbung und die Nachbarkinder haben uns schon früh gelehrt, Wünsche zu entwickeln, die wir von allein nicht hatten.
Wir wollten den Roller, wie das Nachbarkind und unsere Eltern gaben uns vor, was wir dafür leisten mussten.

 

Spätestens in der Midlifekrise stellen sich viele dann genau die Fragen:
War es das? Wenn ja, was ist es denn jetzt?
Was kommt jetzt noch Neues? Wollte ich hier eigentlich hin?
Wo ist eigentlich der Mensch, der ich mit 25 war? Der mit den Idealen und Wünschen?

 

Der einzige Mittelpunkt, von dem aus wir die Welt sehen und erforschen können, sind wir selbst.
Wenn ich auf meinem Segelboot auf dem Meer meines Lebens segle, dann kann ich mich um 360 Grad drehen und alles wahrnehmen. Sobald ich mich aber fokussiere, schränke ich meine Wahrnehmung auf 10 Grad ein.

 

Kommen wir wieder zur Ausgangsfrage im Bewerbungsgespräch.
Alle, die uns begegnen sind daran interessiert, in unseren Fokus zu gelangen. Kollegen, Vorgesetzte, Kunden. Wir sollen uns um sie und ihre Interessen kümmern. Zu Hause ist der Partner, die Eltern, die Kinder, die Freunde. Alle wollen in unseren Fokus.

 

Dies ist kein Aufruf gegen (Zwischen-)Ziele. Wie sonst können wir planen?
Es ist ein Aufruf, ab und an zu schauen, ob Sie sich auch mitgenommen haben. Ob Sie Ihre Ziele verfolgen oder fremde Ziele.

 

Hin und wieder innehalten, mit neutralen, am besten fremden Personen das eigene Jetzt reflektieren. Man kann dazu auch Kassensturz sagen. Das kann helfen, die Verwunderung in der Midlife-Krise geringer zu halten.